Die IMTB spendete in diesem Jahr zu Weihnachten an die TMR Flüchtlingshilfe Ukraine Berlin e. V., welche im Großraum Odesa viele humanitäre Aktivitäten organisiert und sich an Aktivitäten von Partner-NGOs beteiligt. Konkret leistet die TMR Vor-Ort-Hilfe mit dem Betreiben von humanitären Zentren in Odesa, dem Evakuieren aus Kriegszonen, der Unterstützung von im Krieg zurückgelassenen Tieren und vielem anderen mehr. Unsere Spende half bei TMR-Aktionen rund um Weihnachten.
In der ersten Woche des neuen Jahres fuhr unser Kollege Erik zusammen mit Karsten Fuhrken von der TMR in den Süden der Ukraine, um dort vor Ort an den humanitären Aktionen rund um das Weihnachtsfest teilzunehmen. Wir freuen uns, hier seinen Bericht zu veröffentlichen:
Unsere Tage in Odesa waren vollgepackt.
Auf dem Plan standen mehrere Weihnachtsfeiern für Kinder, die entweder Ihre Väter verloren hatten, Binnenflüchtlinge sind oder aus der besonders in Mitleidenschaft gezogenen, ländlichen Region rund um Mykolajiw kommen. Da die Ukraine ein so großes Land ist, verging viel Zeit mit dem Fahren zu den jeweiligen Orten. Das Nebeneinander von Krieg und einer Art Normalität ist kaum zu beschreiben. Mit Luftalarm lebt man in Odesa jede Nacht und auf den Landstraßen stehen die Luftabwehrgeschütze. Durch die Felder ziehen sich die Schützengräben und dann erscheint auf einer anderen Straßenseite eine prächtige Wein- oder Obstplantage. Einzelne Gebäude, Brücken oder Straßen sind schwer beschädigt, andere sind aber schon wieder aufgebaut.

In den ersten Tagen haben wir in Odesa gemeinsam mit den unermüdlichen Vor-Ort-Helferinnen und -Helfern Weihnachtspakete an Menschen ausgeliefert, die nicht in der Lage sind, diese in den humanitären Zentren abzuholen. Das konnten sehr alte Menschen sein, aber auch alleinerziehende Frauen, die aus dem direkten Kriegsgebiet geflohen waren.
In den nächsten Tagen ging es in die Region Mykolajiw (120 km östlich von Odesa), welche von den ukrainischen Streitkräften 2022 zurückerobert wurde, somit schwer umkämpft war und immer noch stark zerstört ist. An einem Ort, wo TMR einige der Güter aus Deutschland und Europa zwischenlagert, war die Front in Cherson nicht nur zu hören, sondern zu spüren. Hier im ländlichen Raum war die erste Station ein Altersheim, wo alten Menschen Weihnachtspakete von Senioren aus Deutschland überreicht wurden. Mehr als der Inhalt rührte diese Menschen, dass irgendwo auf der Welt an sie gedacht wird und sie nicht allein sind.

Die nächste Station war eine Schule in Sofijiwka. Dort durften wir nicht nur sehen, wie beeindruckend Schul- und Nutzgebäude mit Unterstützung von TMR wieder aufgebaut und renoviert wurden, sondern auch einer herzerwärmenden, weihnachtlichen Schulaufführung beiwohnen. Da ich neben meiner Tätigkeit bei der IMTB auch Sänger bin, sang ich mit den Kindern ukrainische Weihnachtslieder. Auch hier waren Verwunderung und Dankbarkeit groß, dass es Menschen im fernen Deutschland gibt, die auf Ukrainisch mit ihnen singen.

Das Hauptaugenmerk der Reise lag auf zwei großen Weihnachtsfeiern im Theater Mykolajiw. Hier wurde unter Mithilfe von TMR eine große Show für die Kinder der ländlichen Regionen, die für diesen Tag mit kleinen Bussen nach Mikolajiw gefahren wurden, organisiert. Neben dem typisch ukrainischen Wertep – einem lustig-mystischen Krippenspiel, wo nicht nur Engel und Hirten, sondern auch Teufel und Herodes stattfinden – sahen die Kinder das Musical-Theaterstück „Mary Poppins“. Vorher sang ich wieder mit ihnen Weihnachtslieder, und nachher gab es Geschenke. Es waren zwei rundum gelungene Tage für die Kinder und mit Sicherheit eine schöne Abwechslung zum schweren Alltag.

Das beeindruckendste Weihnachtsfest erlebten wir in einem stockfinsteren Dorf in der Region Baschtanka, wo aus einem notdürftig beleuchteten, unbeheizten Kulturhaus Lieder erklangen und viele Menschen, einem Krippenspiel beiwohnten. Wärme und Freude, wo man sie nicht vermutet. Auch hier gab ein gemeinsames Weihnachtsliedersingen und zum Abschluss Geschenke, gepackt von deutschen Kindern, teilweise mit herzlichen kleinen Briefen versehen.

Diese Reise war für mich eine tiefe Erfahrung und diese Woche fühlt sich von der Menge der Eindrücke her an, wie ein ganzer Monat.“
Wir sind froh, dass unsere Weihnachtsspende so unmittelbar wirken konnte und danken der TMR Flüchtlingshilfe Ukraine und Karsten Fuhrken, der all diese Aktionen organisiert, herzlich für das Engagement.





