von Erik | 26. Nov. J | Digitalisierung & KI, Digitale Archivierung, Fachveranstaltung
Das elektronische Kommunalarchiv Sachsen (elKA)
Zum elKA-Tag am 11.11.2025 in Dresden stellten die elKA-Leitstelle der Sächsischen Anstalt für kommunale Datenverarbeitung (SAKD – https://www.sakd.de/elka.html) und die unterstützend tätige IMTB Consulting GmbH die erreichten Ergebnisse einer erfolgreichen Archivgeschichte vor. Hintergrund dafür ist das baldige Auslaufen eines Projekts zur Einführung von diversen Archivmodulen im elKA, welches die Funktionsbreite des Archivangebots für sächsische Kommunen erheblich erweitern soll und spannende Ergebnisse erbracht hat.
Das elKA ist ein gebührenfinanziertes Angebot zur Archivierung von digitalen Objekten an alle sächsischen Kommunen, welches zum elKA-Tag 2025 bereits 62 große und kleine Kommunen nutzen. Die Geschichte des Angebots beginnt im Jahr 2018 mit dem Auftakt eines Projekts zur Umsetzung eines gemeinsamen Archivangebots für sächsische Kommunen auf Betreiben der kommunalen Spitzenverbände SSG (Sächsischer Städte- und Gemeindetag) und SLKT (Sächsischer Landkreistag). Bereits in diesem Projekt unterstützte die IMTB bei der Konzeption, fachlichen Ausgestaltung, Archivlösungsauswahl und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für das künftige elektronische Archiv. Im Jahr 2022 nahm das elKA den produktiven Betrieb und die ersten Archivalien sächsischer Kommunen bei der SAKD auf. Archivlösung der Wahl ist nach ausgiebigen Sondierungen die DIMAG-Lösung, welche deutschlandweit in vielen kommunalen und Landesarchiven im Einsatz ist. Besonderheit in Sachsen ist die Einrichtung einer bei der SAKD angesiedelten und mit derzeit vier Personen besetzten Leitstelle, welche teilnehmenden Kommunen Unterstützung bei Anbindungs- und archivischen Fachfragen bietet, sowie die Koordination mit dem DIMAG-Verbund übernimmt.
Funktionserweiterung des elKA
Die Archivierung von Objekten aus diversen Liefersystemen – von E-Akten bis Ratsinformationssystemen oder Fachverfahren zur Meldedatenerfassung – ist ein hochkomplexes Unterfangen. In der Basislösung stellt DIMAG dazu das DIMAG-Kernmodul samt Übernahmewerkzeug (IngestTool) zur Verfügung. Um den speziellen und vielfältigen Anforderungen vollumfänglich gerecht zu werden, sind diverse Zusatzarchivmodule nötig, welche folgende Funktionsschwerpunkte bedienen:
- DIWI – ein Modul zur Vorbereitung und Ingestierung von Webseiteninhalten für die Archivierung
- DIWA und x-man – zwei Module, welche beide der Ingestierung von E-Akte-Inhalten dienen. (Eigentlich war hier nur eine Lösung vorgesehen. Das Werkzeug x-man ist mit dem Beitritt des Freistaats Thüringen zusätzlich in den DIMAG-Verbund gekommen.). Die Bandbreite an E-Akte-Systemen in Sachsen umfasst diverse Produkte (bspw. VIS, Winyard, RegiSafe, E-Gov-Suite, etc.). Die Leitstelle ist mit mehreren Herstellern im Kontakt, um den jeweils individuellen Anforderungen der Produkte an die Archivierung gerecht zu werden und möglichst einheitliche Prozesse zu etablieren.
- IPM – ein Modul zur Vorbereitung und Ingestierung von Dateisammlungen aller Art (ggf. auch nutzbar für bspw. Schriftgutportionen aus E-Akte-Systemen, da diese auch eine Art Dateisammlung darstellen)
- AccessTool – ein Modul für die Nutzbarmachung (Aushebung) von Archivalien für interne und externe Nutzende
- BEM – ein Modul zur Bestandserhaltung von Archivalien (derzeit in Entwicklung durch das Landesarchiv Thüringen)
Zusätzlich wurden in den letzten zwei Jahren durch die Leitstelle weitere notwendige Projekte vorangetrieben, die den sächsischen Besonderheiten und grundsätzlichen archivischen Anforderungen Rechnung tragen. Dazu gehören:
- Projekt TransConnect – eine in Sachsen bei einigen Kommunen im Einsatz befindliche Datenaustauschplattform, welche auf Wunsch von Kommunen für den Ingest aus E-Akte-Systemen in das DIMAG-Kernmodul befähigt werden soll.
Projekt AFIS-Anbindung – zahlreiche Archive nutzen eines der am Markt verfügbaren Archivfachinformationssysteme (AFIS, bspw. ACTApro, AUGIAS, Faust etc.) zur Erschließung von Archivalien, Pflege der Metadaten von Archivalien und Strukturierung von Archivbeständen. Für eine komfortable und zukunftsfähige Nutzung ist eine Schnittstellenverbindung zwischen AFIS und DIMAG-Modulen notwendig. Die Leitstelle ist hierzu mit Dienstleistern in zwei Schnittstellenprojekten befasst.
Pionierarbeit des elKA
In vielerlei Hinsicht wird mit der Arbeit der elKA-Leitstelle in Sachsen Pionierarbeit für die Archivierung von digitalen Objekten in ganz Deutschland betrieben:
- Grundsätzlich ist mit der Organisation per Leitstelle ein Entwurf gelungen, der den Anforderungen der Kommunen offenbar ideal Rechnung trägt und bisher deutschlandweit einzigartig in der Archivwelt ist. Das Beispiel wird gesehen und nachgefragt.
- Es zeigte sich in den letzten beiden Jahren für die Leitstelle überraschend, dass die oben benannten DIMAG-Module zwar im Verbund entwickelt und bereitgestellt wurden, außer ggf. bei den entwickelnden Institutionen selbst jedoch bisher keine bzw. nur sehr wenige produktive Umsetzungen existieren. Das elKA ist damit bei den eingeführten Modulen der erste Nutzende bzw. unter den ersten Nutzenden deutschlandweit. Hieraus resultieren einerseits zahlreiche positive Entwicklungsanstöße, die in den DIMAG-Verbund zurückgespielt werden konnten, andererseits aber auch eine Menge technischer und organisatorischer Herausforderungen, die der Praxiseinsatz bisher unerprobter Anwendungen mit sich bringt.
- Nicht unerwartet, aber ungemein hemmend ist der Umstand, dass ein zentraler Standard der Schriftgutverwaltung – XDOMEA – bei keinem der in Sachsen im Einsatz befindlichen E-Akte-Produkte wirklich valide und einsatzbereit umgesetzt ist. In der Folge waren und sind erhebliche Aufwände in die Abstimmung mit zahlreichen Dienstleistern geflossen, um einen einheitlichen Übertragungsweg von zukünftigem Archivgut ins Archiv zu realisieren. Da alle betroffenen E-Akte-Produkte auch außerhalb Sachsens in Kommunen, bei Landesverwaltungen und selbst in der Bundesverwaltung im Einsatz sind und dort die gleichen Probleme anstehen, leistet die Leistelle elKA hier wesentliche Beiträge für die digitale Schriftgutverwaltung deutschlandweit.
- Da eine Archivalie am Ende nur Sinn macht, wenn sie wiederauffindbar ist, hat die Leitstelle elKA sehr pragmatisch den Leistungsfokus auch auf das Thema „Anbindung von AFIS“ an das Archivsystem gerichtet. Ähnlich wie im Fall von XDOMEA findet sich hier ein deutschlandweiter Bedarf, den die Leitstelle im Sinne der sächsischen Kommunen adressiert und damit eine Ausstrahlung in ganz Deutschland erreicht.
Ergebnisse der Moduleinführung
Zentrales Ziel des Projekts in den Jahren 2024 und 2025 war die Einführung der verfügbaren DIMAG-Module im elKA. Besonderheit an dieser Stelle ist, dass jedes Modul eine eigenständige Softwareanwendung darstellt, welche einen je individuellen Hersteller (Entwicklungspartner DIMAG), je individuelle Hardware- und Betriebsumgebungsanforderungen (teilweise eigene Server notwendig), eine je individuelle Benutzeroberfläche, individuelle Konfigurationsanforderungen etc. hat. Im Ergebnis waren im Rahmen der Moduleinführung gewissermaßen mehrere mittelgroße Softwareeinführungsprojekte mit diversen beteiligten Partnern, Dutzenden betroffenen Endanwendenden und gegenseitigen Abhängigkeiten zu bewältigen. Für jedes Modul waren zunächst eine Testinstallation und -konfiguration sowie elKA-interne Tests und Nutzenabwägungen zu vollziehen. Im Anschluss wurde der Moduleinsatz je nach Möglichkeit des Moduls als Webservice oder als Eigeninstallation bei den Kommunen mit interessierten Kommunen pilotiert und schließlich nach erfolgreicher Pilotierung in den produktiven Einsatz gebracht bzw. soll noch in den produktiven Einsatz gebracht werden. In einigen Fällen wurde der Einsatz des Moduls ausgesetzt, weil eine besser geeignete Alternative vorhanden war (DIWA – x-man) oder weil das Modul noch weitere Entwicklung bis zur Einsatzfähigkeit benötigt (AccessTool, BEM).
Im Ergebnis ist damit für sächsische Kommunen ein beispielhaftes Angebot zur Archivierung von digitalen Objekten entstanden, welches mittlerweile seit über drei Jahren im produktiven Einsatz ist, während nützliche Erweiterungen sukzessive ergänzt wurden bzw. in den kommenden Jahren ergänzt werden.
Es war den beteiligten Mitarbeitenden der IMTB eine Freude, mit einem engagierten und kompetenten Leitstellenteam den Herausforderungen der DIMAG-Einführung zu begegnen und daran zu wachsen. Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung.
von Erik | 10. Nov. J | IMTB Insight
Wir treffen unseren Kollegen Dr. Florian Gläser auf einen kleinen Spaziergang von unserem Kölner Büro zum Rhein. Unterwegs plaudern wir munter über Architektur der 50er und 60er Jahre, Kölner Stadtgeschichte und landen an der Bastei am Rheinufer.
Das ist der Überrest eines früher militärisch genutzten Turms, dessen Fundament man in den 1920er Jahren genutzt hat, um darauf ein Restaurant zu errichten. Man hat damals diesen schönen expressionistischen Aufsatz draufgesetzt. Im Krieg war das Bauwerk zerstört und ist danach nochmal aufgebaut worden. Das Ganze stammt vom berühmten Architekten Riphahn, der in Köln vor allem in den 50er Jahren viel gebaut hat. Die Bastei ist jetzt aber geschlossen, weil das Gebäude komplett sanierungsbedürftig ist.
Ich liebe es, wenn Leute so viel über ihre Stadt wissen ….
Das ist so ein bisschen mein Erbe, das sonst nicht mehr so zum Tragen kommt. Ich habe mal Geschichte und Kunstgeschichte studiert.
Du bist also auch einer von den IMTB-Kollegen, die nicht aus einer Fachrichtung stammen, die man gemeinhin erwarten würde.
Genau. Ich habe ganz breit angefangen: Geschichte, Politik, spanische Philologie und Philosophie. Eigentlich waren mein Schwerpunkte Geschichte und spanische Philologie. Und dann bin ich im dritten Semester Vater geworden und habe gedacht: Um Spanisch ernsthaft zu studieren, müsste man ein Jahr nach Spanien gehen. Das ging aber nicht, weil ich natürlich als Vater hier unverzichtbar war. Also bin ich geblieben und habe noch ein neues Zweitfach gebraucht. Das wurde Kunstgeschichte. Bei Geschichte war ich schon mit allen Scheinen durch und habe dann in drei Semestern alle Scheine fürs Nebenfach gemacht.
Bei Kunstgeschichte bin ich bis zur Doktorprüfung geblieben. In meiner Doktorprüfung waren – ergänzend zu meinem Schwerpunkt „Mittelalter“ im Hauptfach Geschichte – meine Schwerpunktthemen Gotik, mittelalterliche Buchmalerei und mittelalterliche Plastik. Du kannst mich also wenig zu moderner Kunst und auch wenig zu frühneuzeitlicher Kunst fragen.
Also hast du Geschichte und Kunstgeschichte abgeschlossen. Wie ging es nach dem Studium weiter?
Danach lief es für mich an der Uni erstmal super. Ich hatte früh einen Job als Wissenschaftliche Hilfskraft und nach der Magisterarbeit eine halbe Mitarbeiterstelle. Da konnte ich meine Dissertation schreiben und habe auch in der Lehre angefangen. Man denkt in dem Moment ja, dass es immer so weiter geht. Aber dann hat mein Doktorvater plötzlich seine Aktivitäten eingestellt und in so einem Uni-Betrieb ist man nun mal auf Gedeih und Verderb dem Doktorvater ausgeliefert.
Wenn man versucht, sich auf Mitarbeiterstellen an anderen Unis zu bewerben, haben die alle ihre eigenen Leute herangezogen. Man kommt da nicht rein. Es ist eine absolute Ausnahme, dass wirklich ernsthaft jemand von außerhalb gesucht wird.
Aber ich hatte an der Uni schon in einem DFG-Forschungsprojekt gearbeitet, bei dem ich viel in Archiven unterwegs war. Da habe ich mir gedacht: Das ist doch eigentlich ein interessantes Arbeitsfeld, bewirb dich doch mal für den Archivdienst. Und das habe ich dann gemacht. Es ist ein super enges Nadelöhr. Bundesweit werden ungefähr 20 Personen pro Jahr, verteilt auf die verschiedenen Landesarchivverwaltungen ausgebildet. Und für den höheren Archivdienst ist die Promotion Voraussetzung. Man absolviert da zunächst ein Referendariat und ich bin damals schon in großen Schritten auf die Altersgrenze von 32 Jahren zugeschritten. Im allerletzten Jahr, in dem das noch möglich gewesen ist, habe ich es dann geschafft.
Ich habe das Archivreferendariat zwei Jahre gemacht und anschließend ein paar Jahre als Archivar gearbeitet. Für die digitalen Themen in dem Berufsfeld habe ich mich damals schon interessiert. Die Archivare waren nämlich ganz früh am Thema „Digitale Archivierung“ dran. Zu einem Zeitpunkt, als die Verwaltungen noch weit weg waren von der E-Akte, haben die Archivare sich schon vorbereitet und sich gefragt: Was machen wir, wenn die Verwaltungen uns E-Akten abgeben?
Ich bin damals oft zu Veranstaltungen gefahren, z. B. zur Jahrestagung E-Akte und dort bin ich mit Herrn Ullrich von Infora ins Gespräch gekommen. Er hat irgendwann gesagt: „So jemanden wie Sie suchen wir; jemanden, der selber die Innensicht aus der öffentlichen Verwaltung hat, der sich mit diesen Themen schon beschäftigt hat und das ganze Thema Schriftgutverwaltung systematisch gelernt hat“. Es gibt ja keine Registraturausbildung in den Verwaltungen mehr. Die einzigen, die das systematisch curriculumbezogen lernen, sind die Archivare. Und da mein letzter Job als Archivar in einer Archiv-Beratungsstelle war, ich also Archive beraten hatte, kannte ich die Beratungstätigkeit und das projektbezogene Arbeiten. Der Schritt war eigentlich sehr klein.
Wenn man also denkt: „Wie wird man vom Mediävisten zum Unternehmensberater? Das ist doch ein Riesenschritt!“ Mit diesen Zwischenschritten ist es total plausibel.
Und schon warst Du mittendrin in der Beratungsbranche.
Ja, ich habe bei der Infora angefangen und gemerkt, dass mir das Spaß macht. Ich konnte mich mit meinem Fachwissen einbringen, denn ich war ja nicht so ein absoluter Neuling. Und ich habe vieles andere gelernt, Projektmanagement zum Beispiel. Das hatte ich vorher im öffentlichen Dienst nicht so systematisch gemacht.
Bei Infora lief es eine ganze Weile gut, aber ich bin dann doch weitergezogen, habe andere Erfahrungen gesammelt und 2019 zur IMTB gekommen. Gemessen an meinem Alter bin ich noch nicht so lange in der Beratung, erst seit 16 Jahren. Andere, die direkt nach ihrem Studium in die Beratung gegangen sind, sind länger dabei, aber jünger als ich.
Aber es ist eigentlich auch ganz schön, den Blick aus verschiedenen Richtungen zu haben, oder?
Ja, das auf jeden Fall. Ich hatte am Anfang meiner Beratungskarriere relativ schnell große Projekte in mehreren katholischen Bistümern. Da habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, je nach Kundenumfeld den richtigen Ton zu treffen und die richtige „Sprache“ zu sprechen. Und da ich in diesem Umfeld auch so ein bisschen sozialisiert bin, konnte ich also mit meinen Ansprechpartnern so reden, dass sie nicht dachten: „Was ist das denn für einer!“ Das waren teilweise große Projekte mit bis zu 450 Personentagen, bei denen wir die E-Akte mit allem Drum und Dran vorbereitet haben.
Kanntest Du die IMTB schon aus Projekten?
Ja, ich hatte schon mit einigen Kolleginnen und Kollegen in einem Projekt zusammengearbeitet. Ich fand es damals so schön zu sehen, wie sie miteinander umgegangen sind und dachte mir, dass es bestimmt nett ist, da zu arbeiten. Und dann habe ich einfach mal bei einem der Geschäftsführer, der auch in diesem Projektteam war, gefragt. Es hat dann noch etwas gedauert, weil sich die IMTB so einer Art unausgesprochener Vereinbarung verpflichtet gefühlt hatte, dass man nicht aus gemeinsamen Projekten die Leute abwirbt. Aber ich habe nicht lockergelassen und man ist sich dann einig geworden.
Als Du zur IMTB gekommen bist, warst Du ja einer von denjenigen, die bei uns die Rolle Team-Manager entwickelt und als erstes mit ausgefüllt haben.
Stimmt. Da war ich noch gar nicht so lange dabei. Ich habe im Juli 2019 angefangen und wir haben uns zum ersten Mal vor der Weihnachtsfeier in Dresden 2019 zusammengesetzt und Vorüberlegungen angestellt: Was will die Geschäftsführung eigentlich von der Rolle? Was können wir uns vorstellen? Wie gestalten wir das aus?
Wir mussten also klären: Was trägt eigentlich diese Rolle? Ist das eine Funktion oder ist das ein Status oder eine Kombination aus beidem? Und in welchem Verhältnis ist das eine Kombination? Das war wirklich ein Prozess und die Vorstellungen davon, was genau die Rolle ausmacht, haben zwischen uns und der Geschäftsführung nicht von Anfang an übereingestimmt.
Am Ende ging es dann um Unterstützung und Entlastung bei der Angebotserstellung. Und später kam noch das Thema Personalentwicklung hinzu. Das war am Anfang aus der Sicht der Geschäftsführung gar nicht so vordergründig Teil der Aufgabe. Wir Teammanagerinnen und Teammanager haben allerdings in diesem Punkt fast einen noch größeren Bedarf gesehen. Wir wurden ja als Firma immer größer und es wurde für die einzelnen Geschäftsführer schwieriger im Detail mitzubekommen, was die einzelnen Kolleginnen und Kollegen bewegte.
Und Ihr habt das dann gemeinsam mit der Geschäftsführung erarbeitet?
Genau. Wir haben immer wieder Vorschläge entwickelt, uns Feedback abgeholt und immer wieder weiterentwickelt. Es sind dann Sachen herausgearbeitet worden, wie: Hat jeder Teammanager ein festes Team, ja oder nein? Wir haben entschieden, dass wir ein komplett festes Team eigentlich nicht wollen, weil so etwas dann schnell Abteilungscharakter bekommt. Und dann stellt sich natürlich die Frage, in welchem Turnus wir die Teams neu zusammensetzen. Wir haben damals entschieden, dass die Teams jedes Jahr neu zusammengestellt werden. Aber da haben wir inzwischen nachgesteuert. Zuletzt haben wir gesagt, ein Jahr ist zu kurz, wenn wir Personalentwicklung machen wollen, also wechseln die Teams jetzt alle zwei Jahre.
Wir haben also immer daran weitergearbeitet. Mir persönlich macht das ganz großen Spaß, insbesondere das Thema Personalentwicklung.
Wenn du so in die Richtung Personalentwicklung denkst, was sind denn die Kompetenzen, die ausgebaut werden müssen? Was wird im öffentlichen Sektor für die Beratung gebraucht? Was brauchen unsere Kolleginnen und Kollegen?
Das ist ganz vielfältig. Zunächst war da die Überlegung: Die IMTB-Belegschaft ist so gewachsen, dass die einzelne Person vielleicht gar nicht mehr so richtig gesehen wird. Am Anfang stand also diese ganz naive Idee, die Kolleginnen und Kollegen noch mal besser sichtbar zu machen. Also sich gesehen zu fühlen, wertgeschätzt zu fühlen und mit einem Anliegen auch wirklich durchzudringen; allein durch den Umstand, dass es nun vier, dann fünf weitere Personen gibt, auf die sich diese Aufgabe verteilt. Und aus der umgedrehten Perspektive: Näher dran zu sein an den Kolleginnen und Kollegen, über die Konstellationen hinaus, die das Projektstaffing an Teams hervorbringt. Das war der Grundgedanke. Und daraus hat sich alles entwickelt. Was brauchen die Kolleginnen und Kollegen denn eigentlich, um gesehen zu werden? Was brauchen sie, um gefördert zu werden? Die Teammanagerinnen und -manager nehmen sich dafür die Zeit in Einzelgesprächen und in Team-Jour Fixes. Und neben der Arbeit in den einzelnen Teams haben wir auch einen wöchentlichen einen Jour Fixe, um uns und unsere Aufgaben weiterzuentwickeln.
Wenn Du „gesehen werden“ sagst, fällt mir ein, dass wir beide uns des Öfteren über das Thema Diversität unterhalten haben. Du hattest uns auch ein Statement zum Coming-Out-Day gegeben und damals aufgefordert: „Kommt mal raus aus dem Schrank“. Also die Aufforderung sich sichtbar zu machen. Oft ist der Adressatenkreis ja genau umgekehrt gewählt. Ich fand es interessant, dass du es so rum formuliert hattest.
Es müssen ja immer beide Perspektiven gegeben sein in einer sozialen Interaktion: Eine Seite, die sich öffnen möchte, und eine Seite, die sich auf die Öffnung einlassen möchte.
Unsere Branche ist eindeutig männerlastig, bei der IMTB nicht so extrem, aber doch auch. Bei anderen Unternehmen in der Branche ist das noch viel stärker ausgeprägt und bei manchen auch auf eine ganz unangenehme Art. Ich weiß, dass der Begriff toxische Männlichkeit überstrapaziert ist, aber er lässt sich darauf schon anwenden. Da wird kokettiert mit endlosen Überstunden, wie tough man im Umgang mit sich selbst ist und wie man sich dann wieder mit irgendwelchen Extremsportarten seinen Ausgleich verschafft. Abweichende Einstellungen finden wenig Bestätigung oder Akzeptanz.
In einem solchen Branchen-Umfeld ist es als schwuler Mann noch mal schwieriger zu sagen: Ich adaptiere das Bild nicht für mich. Was vielleicht aber auch nur bedingt was mit der Homosexualität zu tun hat, denn es gibt natürlich schwule Männer, die das genauso leben und das genauso für sich adaptieren. Aber worauf ich hinauswill, ist, dass vielleicht die Sorge größer ist in so einem Umfeld zu sagen, ich spiele das nicht mit, als in einem anderen Umfeld. Wenn ich Make-up-Artist am Theater bin, habe ich die Probleme wahrscheinlich nicht.
Ich finde es einfach wichtig, dass es in einem Unternehmen eine Atmosphäre gibt, wo man das gar nicht groß und plakativ thematisieren muss. Auf der anderen Seite soll es eben auch überhaupt gar kein Problem sein, dass ich, wenn alle von ihrem Urlaub erzählen, dann eben auch sagen kann: Ich war mit meinem Mann im Urlaub.
Ich habe im beruflichen Kontext nie eine direkte Diskriminierung erfahren, aber man nimmt eben auch viel „Angriffsfläche“ vorweg. Also aus einer Vorsicht heraus.
Aber Diversität ist ja viel breiter! Im Diversity Management geht es darum, dafür zu sensibilisieren, dass die Menschen in einem Team sehr unterschiedlich sein können: ethnisch, kulturell, bezüglich ihrer Persönlichkeitsmerkmale oder eben auch aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität. Manche dieser Eigenschaften sind irrelevant für unsere Arbeit, andere prägen hingegen unsere Erfahrungen sehr stark und damit die Art und Weise, wie wir Dinge sehen, Situationen einschätzen oder Lösungsansätze entwickeln. Und darin liegt das Potential: Diese Unterschiedlichkeit bei den anderen im Team sehen zu wollen und einbinden zu können und – im besten Fall konstruktiv und kreativ – in die Arbeit einfließen zu lassen.
Vor zwei Jahren haben wir uns das erste Mal über das Thema Diversity ausgetauscht. Damals ging es unter anderem darum, ob man Symbole und Zeichen auf der Website verwenden sollte. Du hattest damals darauf hingewiesen, dass diese Zeichen für diejenigen, die homosexuell oder queer sind, signalisieren, dass man willkommen ist und in der Firma offen damit umgehen kann.
Genau. Natürlich gibt es „Pinkwashing“, also die Selbstdarstellung als „queerfriendly“ als reine PR-Maßnahme. Irgendwo eine Regenbogenfahne in die Ecke der Website zu klatschen, da ist noch nichts darüber gesagt, wie einem Kolleginnen und Kollegen tatsächlich begegnen werden. Und das ist letztlich das, worauf es ankommt. Dennoch ist es ein erstes kleines Signal, das Betroffenen, die sich überlegen, zu uns ins Team zu kommen, nicht entgehen wird.
Lieber Florian, vielen Dank Dir für das interessante und offene Gespräch. Ich würde zu gerne mal mit Dir in eine Ausstellung über mittelalterliche Buchmalerei gehen.
von Erik | 4. Nov. J | Digitalisierung & KI, E-Akte, Fachveranstaltung
Am 29. und 30. Oktober 2025 waren wir in Erfurt beim 24. PDV-Anwenderforum unter dem Motto „35 Jahre PDV – #WIRdigitalisierenDeutschland – Gemeinsam Zukunft gestalten“ vor Ort, denn nicht wenige unserer Kunden nutzen die VIS-Suite. Da ist es Ehrensache für uns, auf dem Laufenden zu bleiben. Rund 300 Fach- und Führungskräfte unterschiedlicher Institutionen aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft nahmen teil.
Das Forum fiel mit dem 35-jährigen Bestehen der PDV GmbH zusammen. Das Programm verband Fachliches und Praxisbezug. Im Mittelpunkt standen dabei Prozessautomatisierung, KI-gestützte Abläufe und die Vorstellung der neuen Hauptversion der VIS-Suite, VIS 7. Diese neue Version setzt Schwerpunkte auf digitale Souveränität, die optional integrierbare NoCode-Automatisierung (VIS-NoCode) und KI-Assistenzfunktionen als Add-on (VIS-GenAI) zur Unterstützung der täglichen Sachbearbeitung.
Erfolgsfaktoren nachhaltiger Digitalisierung
Der erste Tag des Anwenderforums startete mit der Begrüßung durch Dirk Nerling, Geschäftsführer der PDV GmbH, sowie Eric Berg, Leiter Geschäftsbereich PDV.red. Im Anschluss hielt Herr Ministerpräsident Mario Voigt einen Impulsvortrag zur Digitalisierungsstrategie des Landes Thüringen. Thema der anschließenden Podiumsdiskussion war die Frage „Was sind die Erfolgsfaktoren für nachhaltige Digitalisierung?“ Auf dem Podium diskutierten Ministerpräsident Mario Voigt, Christian Bressem (Director Public, Energy & Transformation, PwC GmbH) und Dirk Nerling (Geschäftsführer PDV GmbH). Die Quintessenz: Nachhaltig digital ist nur, was vernetzt, rechtssicher, menschenzentriert und ganzheitlich gedacht ist. Das Panel setzte ein klares Signal: Nachhaltige Digitalisierung gelingt, wenn wir Schnittstellen schaffen, rechtliche Hürden abbauen, Automatisierung klug nutzen und den Menschen ins Zentrum stellen. Der Weg führt über Klarheit im Zielbild, Mut in der Umsetzung und Kooperation auf Augenhöhe.
Der Mensch im Mittelpunkt
Die Diskussion machte Mut, Digitalisierung als Chance zu begreifen. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist Automatisierung kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung, um den öffentlichen Auftrag zu erfüllen. Wenn Routinen durch Workflow- und KI-Unterstützung schlanker werden, bleibt Zeit für das, was Menschen auszeichnet: Entscheidungen treffen, beraten, Verantwortung übernehmen. So entsteht Qualität im Ergebnis – für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen. Trotz aller Technik: Vernetzung von Mensch zu Mensch bleibt die Basis „guter Verwaltungsarbeit“. Nutzerzentrierung, Co-Creation mit Verwaltungspraxis und Wirtschaft, schnelle Feedbackschleifen – so wird Digitalisierung ergebnisorientiert, statt projektgetrieben. Erfolg misst sich an spürbarer Entlastung, kürzeren Durchlaufzeiten und hoher Akzeptanz.
Ganzheitlich denken: Daten, Prozesse, Recht, Architektur und Betrieb
Wer Wirkung in den Mittelpunkt stellt, priorisiert richtig und skaliert, was trägt. Dafür braucht es eine Kultur der Ermöglichung. Führung, die Freiräume schafft, Fehler als Lernchance versteht und Erfolge sichtbar macht. Teams, die Kompetenzen aufbauen und Verantwortung übernehmen. Beschaffung, die Innovation zulässt. Leuchttürme sind wichtig – entscheidend ist, erfolgreich erprobte Maßnahmen in die Fläche zu bringen. Umsetzung ganzheitlich denken heißt, Information, Menschen, Organisation und Technik als System zu betrachten. Datenqualität und Governance, Prozesse und Rechtsrahmen, Architektur und Betrieb – erst im Zusammenspiel entsteht nachhaltige Digitalisierung.
Neben den inhaltlichen Beiträgen, mehr als zehn Referentinnen und Referenten gestalteten Vorträge und Diskussionen zur Modernisierung der Verwaltung sowie zu geplanten Weiterentwicklungen der VIS-Suite, bot das Anwenderforum vielfältige Möglichkeiten für Austausch auf Augenhöhe, unter anderem im Speed Networking und in informellen Gesprächen. Anwenderinnen und Anwender der VIS-Suite berichteten aus der Praxis und teilten Erfahrungen zur digitalen Transformation komplexer Verwaltungsprozesse.
Zusammenarbeit als Schlüssel: Verwaltung, Wirtschaft, Politik
Die Veranstaltung in Erfurt verdeutlichte die Notwendigkeit des kooperativen Charakters bei der digitalen Transformation zwischen Behörden, Technologieanbietern und politischen Akteuren vor dem Hintergrund steigender Anforderungen, begrenzter personeller Ressourcen und des Bedarfs an effizienten, sicheren Prozessen. Das Anwenderforum bot einen kompakten Überblick über aktuelle Entwicklungen und nächste Schritte auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Verwaltung. Die Quintessenz: Nachhaltig digital ist nur, was vernetzt, rechtssicher, menschenzentriert und ganzheitlich gedacht ist.
von Erik | 27. Okt. J | IMTB Insight
Von der Weiterbildung unserer Kolleginnen und Kollegen zum Thema Low-Code haben wir kürzlich erst berichtet, aber wir unterstützen Weiterbildung nicht nur im Büro, sondern auch auf der Matte!
Klingt merkwürdig? Stimmt aber, denn Lernen hört nicht am Schreibtisch auf. Unser Kollege Lutz hat das zuletzt eindrucksvoll bewiesen: Vom 11. bis 16. Oktober tauschte er den Laptop gegen die Sportschuhe und nahm am Aufbaumodul der Übungsleiter-C-Ausbildung beim Stadtsportbund Bochum teil. Sein Ziel: künftig eigenständig Jiu-Jitsu-Sportgruppen im Verein leiten.
Dank der Genehmigung für den Bildungsurlaub konnte Lutz sich eine Woche lang intensiv mit Themen wie Trainingsaufbau, Motivation, Sicherheit und Breitensport beschäftigen. Was auf den ersten Blick nach rein sportlicher Weiterbildung klingt, hat erstaunlich viele Parallelen zu unserem Arbeitsalltag:
Wie motiviere ich andere? Wie baue ich ein Training – oder ein Projekt – sinnvoll auf? Wie sorge ich für Sicherheit und Vertrauen im Team? Und wie bringe ich Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam in Bewegung?
Wir gratulieren Lutz herzlich zum Erwerb der Übungsleiter-C-Lizenz und wünschen ihm viel Freude und Energie; ganz gleich, ob auf der Matte oder in unseren Projekten.
Wir finden: Bildungsurlaub ist eine starke Möglichkeit, neue Perspektiven zu gewinnen, Kompetenzen zu erweitern und sich persönlich weiterzuentwickeln. Und manchmal bringt er sogar frischen Wind in die Teamarbeit – mit einem kleinen Kick.
von Erik | 24. Okt. J | IMTB Insight
Im Jahr 2026 wird die IMTB 20 Jahre alt. Wir werden in einem kleinen Countdown in den nächsten 12 Monaten bis zum großen Ereignis ein A-Z gestalten, um uns noch einmal von einer ganz anderen Seite vorzustellen.
Und los geht es mit – wie könnte es anders sein – A wie Anfang.
„Das Geheimnis des Vorankommens besteht darin, den ersten Schritt zu tun.“, wusste bereits Mark Twain.
Und so war es im Fußballsommer 2006 so weit: Unsere drei Gründer“väter“ Henning Böske, Bastian Herrmann und Ralph Naumann, die sich bei einem Beratungsunternehmen kennengelernt hatten, wagten den mutigen Schritt eine eigene Beratung zu gründen. Mit vielen frischen Ideen, gut durchdachten Werten, die bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren haben, und dem unbedingten Willen, Dinge anders zu machen, gründeten sie quasi zu Hause auf der Couch die damals noch kleine, aber feine IMTB.
Was die drei verband, war nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch die Überzeugung, dass Beratung mehr kann als das, was sie bis dahin erlebt hatten. Sie wollten den Menschen in den Mittelpunkt stellen, sowohl in ihrer Firma als auch bei den Kunden. Und sie wollten Bewegung in die öffentliche Verwaltung bringen, damit es mit der digitalen Transformation vorangeht. Und so lag die Wahl des Firmennamens fast schon nahe: IMTB – Informationen, Menschen und Technik in Bewegung.
Ein Gewerbe musste angemeldet, ein Gesellschaftervertrag geschlossen und ein Corporate Design festgelegt werden. Kunden mussten akquiriert, erste Mitarbeiterinnen eingestellt und Strategien entwickelt werden. Dazu noch Website, technisches Equipment, Briefpapier, Visitenkarten und Handyverträge … was nicht alles zu bedenken war! Und ein Büro musste gefunden werden. Und glücklicherweise wurde man fündig. Seit 2007 haben wir unser schönes „Stammhaus“ in der Schumannstraße 14 b, gleich neben dem Deutschen Theater in Berlin und gleich neben der Schumannstraße 13, in der Emil Tischbeins Oma und Pony Hütchen wohnten (Emil und die Detektive). Für uns ist die Schumannstraße 14 b ein Ort, an dem die Köpfe rauchen, Workshops und Weiterbildungen stattfinden, wir uns aber auch wohlfühlen und viele legendäre Feierlichkeiten und unser jährliches IMTB-Sommerforum stattfinden.
Fast 20 Jahre später zeigt sich: Der Anfang war nicht nur ein Schritt, sondern ein Sprung. Aus der kleinen Gründung ist eine quicklebendige Firma mit über 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geworden, die mit ihren Menschen, den Kunden und vielen Ideen gewachsen und sehr lebendig ist.
Denn wie Mark Twain schon wusste: Vorankommen beginnt mit dem ersten Schritt. Und manchmal führt dieser Schritt zu etwas Großem.